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Faszination Surfen als Beruf: ab nach Ägypten
„Aussteiger? Das stellt man sich in Deutschland so romantisch vor. Aber damit hat unser Leben in Ägypten nicht viel zu tun.“ Thomas sieht sich eher als Unternehmer wie viele andere, aber eben „in einem Business, das aus meinem liebsten Sport entstanden ist, und das an einem wunderschönen Ort mit viel Sonne.“ Wenn Aussteigen überhaupt zutrifft, dann „aus der grauen deutschen Stadt, aus der Unterordnung und aus der Unfreiheit, Dinge nur nach Vorschrift zu tun, statt auf eigenes Risiko eigene Ideen umzusetzen.“
Thomas ist gelernter Hotelfachmann und begeisterter Surfer. Bei seinem Absprung ans Rote Meer war er 25. Zuletzt hatte er als Barmann in einem Münchener Nobelhotel gearbeitet. Den Start in Ägypten hatte er mit Christine gewagt. Sie hatte Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Touristik studiert und war bei einem Praktikum auf den Malediven dem Sport am Meer verfallen. Am Roten Meer haben sie ihr „ProCenter“ nach und nach zu einer der weltweit größten Surfschulen ausgebaut. Ihre Kunden hatten von Anfang an Spaß, sie selbst mitunter mehr Stress als eigentlich geplant: „Wenn du mit diesem Geschäft Erfolg haben willst, musst du dich das ganze Jahr hundertprozentig engagieren“, weiß Thomas jetzt. Denn Surfer sind anspruchsvoll. Sie wollen immer die neuesten Boards. Mehr als 120 Surfbretter müssen Thomas und sein Team jedes Jahr neu beschaffen.
Kontakte zu Board-Herstellern und Großhändlern wollen gepflegt werden, Surf-Zeitschriften und Journalisten sind zu betreuen, die Website muss aktuell bleiben, Verträge mit Surf-Reiseveranstaltern in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien, Frankreich und Großbritannien müssen ausgehandelt werden. Diese Reiseveranstalter erhalten zwar Provisionen und schmälern dadurch den Gewinn, aber, so Thomas: „Allein die Erwähnung unserer Schule in ihren Katalogen und auf ihren Websites ist Werbung für uns und bringt uns in der Surfszene immer wieder in Erinnerung.“ Direktbuchungen einzelner Kunden über die Website der Surfschule nehmen zwar zu, kosten aber viel Zeit für die Beantwortung individueller Anfragen.
Als großes Plus seines Geschäftsmodells sieht Thomas, dass keine Investitionen in eigene Immobilien nötig sind. Die Surfschule pachtet Gelände und Räume von Hotels, die das Surfangebot in ihre Ferienanlagen integrieren. Davon profitieren beide Seiten: „Das Hotel bringt uns Kunden, die sich vor Ort spontan zu einem Surfkurs entschließen. Und wir bringen dem Hotel unsere vorgebuchten Kursteilnehmer, die natürlich am liebsten direkt am Surfrevier wohnen wollen.“
PuraVida-Kommentar: Überall auf der Welt machen Deutsche, Österreicher und Schweizer ihre Sport-Leidenschaft zum Beruf – mit eigenen Tauchschulen in Indonesien und auf den Philippinen, als Bergwanderführer in Neuseeland, als Reitlehrer in Irland, als Mountainbike-Vermieter auf den Kanarischen Inseln, als Safari-Unternehmer in Namibia oder als Veranstalter von Motorrad-Touren in Arizona. Manche starten mit naiven Geschäftskonzepten oder unterschätzen Bürokratie und rechtliche Hürden. Aber viele haben Erfolg – und genießen ihren Neustart in der neuen Heimat.
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