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Die besten Klassiker

Viel zu viele Autoren, die ihren flachen Botschaften einen tieferen Sinn geben wollen, gehen heute wandern. Und viel zu viele Frauen, deren naive Afrika-Träume an den Realitäten gescheitert sind, schreiben darüber die immergleichen Bücher. Sinnsuche beim Wandern, weiße Frauen in Afrika: Beide Trends mit ihren unzähligen Wiederholungen sind so unglaublich einfallslos, dass es nur noch peinlich ist.

Dabei beruhen beide triviale Trends auf durchaus ernsthaften Originalen, die es zu lesen lohnt. Gegen diese zeitlosen Originale wirken alle neuen Kopien nur noch doppelt dünn. Das Afrika-Original heißt natürlich Jenseits von Afrika (mehr darüber weiter unten in diesem Text). Wer es liest, hat danach nur noch Spott für all die gutmenschigen Selbstdarstellerinnen übrig, die heute ihre banalen Khakihosen-Katastrophen in Szene setzen – fast immer gespickt mit Wildhüter-Romanzen und Zebra-Operationen, mit fiesen Alkoholikern und interkulturellen Missverständnissen zwischen Schwarz und Weiß. Und, am allerschlimmsten: dekoriert mit Armut, Aids und hungernden Waisenkindern als Kulisse für filmisches Fast Food.

Mit dem Wandern ist es ähnlich. Spätestens seit Hape Kerkelings fußgängerischem Ich-bin-dann-mal-weg-Erfolg muss jeder wandern, der danach etwas erzählen will. Burnout-geplagte Ex-Banker, Schauspielerinnen in den Wechseljahren ihrer Karrieren, Yogalehrer und Feuilleton-Redakteure wandern über die Alpen, von Berlin nach Moskau und zu sich selbst. Sie alle folgen einem wunderbaren Original aus den 1980-er Jahren. Es heißt Deutschland umsonst: zu Fuß und ohne Geld durch ein Wohlstandsland. Mehr darüber weiter unten in diesem Text.

Aber zuerst nach Afrika. Was die Dänin Karen Blixen von 1913 bis 1931 auf ihrer Farm in Kenia erlebt und 1937 in ihrem Klassiker beschrieben hat, enthält so ziemlich alles, was auch moderne Lebensexperimente von Aussteigern und Auswanderern kennzeichnet: Hoffnungen und Enttäuschungen. Krankheiten und Krisen. Das Hin und Her zwischen alter und neuer Heimat. Die Balance zwischen geduldiger Nachgiebigkeit und entschlossener Durchsetzungsstärke gegenüber den Einheimischen. Und natürlich die Liebe: der Ehemann aus dem kalten Skandinavien, zunächst so zuverlässig und durchaus geliebt bis zum Eingeständnis der Entfremdung, gegen den sonnengegerbten Großwildjäger, stark und feinsinnig zugleich. Ein ständiges Vortasten auf Neuland, Unsicherheiten, Bestätigungen, Erfolge, fröhliche Feste, beglückende Momente und große Gefühle in grandioser afrikanischer Natur - und schließlich, nach einer Brandkatastrophe, die Kraft zum Neubeginn: Diese Looping-Fahrt zwischen extremen Hochs und Tiefs erleben Millionen mutige Umsteiger auch heute.

Das Buch von Karen Blixen (in Deutschland als Tanja Blixen bekannt) liegt jetzt in einer gelungenen Neuübersetzung vor. Es bleibt viel näher am Alltag des selbst gewählten Abenteuers als die berauschende Verfilmung mit Meryl Streep und Robert Redford. Wir empfehlen beides. Und zwar, weil sich aus dem Vergleich von Buch-Original und emotionalisierender Filmfassung viel lernen lässt über Wirklichkeit und klischeebildende Traumproduktion. Buch: Jenseits von Afrika (Manesse-Verlag), Film: Jenseits von Afrika (Doppel-DVD, Oscar-Edition). Mehr Infos und Bestellung hier.

Und nun zum Wandern. In den Jahren um 1980 war Michael Holzach eines der hoffnungsvollsten jungen Talente des deutschen Reportage-Journalismus. Er schrieb für Die Zeit und für Geo und lebte ein ganzes Jahr weit weg von jeglicher Modernität bei den Hutterern in Kanada. Im Jahr 1980 brach er zu einer langen Wanderung durch ganz Deutschland auf, ohne Geld in den Taschen, begleitet nur von seinem Hund, den er zuvor aus einem Tierheim geholt hatte. Wer würde ihm für etwas Arbeit und Mithilfe Bett und Essen geben? Wer würde auf ihn herabsehen, ihn abweisen und verscheuchen? Oft waren es diejenigen, von denen man es am wenigsten erwartet hätte – im Guten wie im Schlechten. Wer Holzachs Buch liest, sieht Deutschland mit anderen Augen, entdeckt das Spannende im Alltäglichen und stellt seine eigenen (Vor-)Urteile in Frage. Michael Holzach wurde nur 36 Jahre alt. Er starb 1983, als er seinen Hund vor dem Ertrinken rettete. Deutschland umsonst: zu Fuß und ohne Geld durch ein Wohlstandsland (Hoffmann und Campe Verlag), Mehr Infos und Bestellung hier.

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